Keine endgültigen Wahrheiten
Geschrieben von Axel Christ • Dienstag, 15. September 2009 • Kategorie: Menschliches
Wir leben in einer Grauzone, die Welt ist nicht gut oder schlecht. Selbst die einzelnen Dinge sind es nicht. Unsere Wahrnehmung entscheidet und gut für mich ist nicht gut für alle. Ich zoome mal ein bisschen. Ich sehe ein Atom. Kohlenstoff. Toll. Gut? Böse? Ich weiß nicht. Ich zoome aus. Ein paar Moleküle. Stahl. Oha. Da will ich mich immer noch nicht festlegen. Weiter auszoomen. Ein Messer mit scharfer, feststehender Klinge, gehalten von einer starken Hand. Sehr spitz. Jetzt geht der Alarm meiner Wahrnehmung an. Sieht böse aus! Weiter auszoomen, schnell! Die Hand gehört Herrn Held, der sich schützend vor Frau Gut gestellt hat, um einen Angriff seitens Herrn Böse abzuwehren. Oh, dann ist ja doch alles in Butter! Schnell weiter auszoomen, bis zum blauen Himmel! Komisch, der Himmel ist grau. Herr Böse ist tot. Frau Gut lebt. Herr Böse war Menschen gegenüber ein Arschloch, hatte aber eine gute Ökobilanz. Frau Gut dagegen war zwar immer sehr nett und freundlich, aber auch ziemlich blöde, weswegen sie im hohen Alter ihren Kindern nur Schulden und einen verschmutzen Planeten hinterließ. Herr Held hatte sich aufgrund der kleinen Episode zu einem unerträglichen Aufschneider entwickelt, der den puren Hass in den Gemütern seines Umfeldes gären ließ. Nicht schön. Geradezu Böse, was hier passiert! Kann ich noch weiter auszoomen? Ja. Ich sehe eine Großstadt. Das Leben der drei Personen hatte auf die Stadtentwicklung keinen nennenswerten Einfluss. Die freigewordene Wohnung des Herrn Böse fand schnell einen neuen Abnehmer. Ein junger, politisch interessierter Student mit dem Willen, etwas zu bewegen. Klasse! Weiter raus, weiter raus! Er entwickelt sich zu einem großen Tier bei der NPD. Mist. Der Krieg bringt viele Tote, der entstandene Freiraum erzeugt hinterher aber auch ein Wirtschaftswunder, welches die Mittel in den Händen der Übriggebliebenen versammelt. Großer Reichtum ermöglicht entscheidende Innovationen. Innovationen sind nötig, damit die Menschheit langfristig überlebt, auch wenn eines Tages die Sonne den Geist aufgibt.
Das Spielchen lässt sich unendlich fortführen. Gut und Böse sind Ansichtssache. Abhängig von Zeit, Raum und Kontext. Ist ds Konzept “Gut und Böse” schlecht? Falsch sicherlich, schlecht nicht unbedingt. Wir sind ja einfach gestrickt und brauchen klare Linien, sonst wären wir blockiert und würden nichts erreichen. Wir hätten keine Ziele. Ich hoffe, dass ich selbst von Zeit zu Zeit eine Denkpause einlege, und mich daran erinnere, dass in meiner Sichtweise keine endgültige Wahrheit steckt.

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